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Künstliche Intelligenz

LUMI-AI: Neuer KI-Supercomputer für Kajaani soll die KI-Rechenkapazität verzehnfachen

Ein europäisches Großprojekt im Wert von 387,8 Millionen Euro bringt den LUMI-AI-Supercomputer mit AMD-Beschleunigern der nächsten Generation nach Finnland. Forschende und Unternehmen sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2027 Zugang erhalten.

LUMI-AI: Neuer KI-Supercomputer für Kajaani soll die KI-Rechenkapazität verzehnfachen

Havainnekuva Kajaanin LUMI-AI-tekoälytehtaan tulevasta datakeskuksesta. Visualisointi: NOAR – Nordic Architects / CSC. Kuva ei esitä jo valmistunutta supertietokonetta. Lähde: https://csc.fi/mediatiedote/lumi-ai-supertietokone-kymmenkertaistaa-tekoalykapasiteetin/

KAJAANI ERHÄLT EUROPAS KI-SUPERCOMPUTER DER NÄCHSTEN GENERATION

Die finnische Stadt Kajaani soll zu einem noch wichtigeren Standort für europäische KI-Rechenleistung werden. Am 31. August 2026 unterzeichnete das europäische Gemeinschaftsunternehmen für Hochleistungsrechnen EuroHPC JU mit dem Technologielieferanten Bull einen Vertrag über die Lieferung des neuen Supercomputers LUMI-AI. Der Auftragswert beläuft sich auf 387,8 Millionen Euro.

Das System wird im neuen Rechenzentrum des finnischen IT-Forschungszentrums CSC auf dem Gelände Renforsin Ranta in Kajaani installiert. Die Rechenressourcen sollen den Nutzern planmäßig in der zweiten Jahreshälfte 2027 zur Verfügung stehen.

LUMI-AI soll bis zu zehnmal so viel KI-Rechenkapazität wie der bestehende Supercomputer LUMI bieten. Das Ziel bezieht sich ausdrücklich auf KI-Arbeitslasten. Bei klassischer wissenschaftlicher Hochleistungsrechnung wird nahezu eine Verdoppelung der Leistung erwartet. Dies sind Planungsziele, keine bereits unabhängig gemessenen Ergebnisse.

WAS IST LUMI-AI UND WIE UNTERSCHEIDET ES SICH VON LUMI?

Der 2022 in Betrieb genommene LUMI ist für vielfältige wissenschaftliche Hochleistungsrechnungen ausgelegt. Er dient unter anderem Forschungssimulationen und dem Training von KI-Modellen. Sein leistungsfähigster Rechenbereich enthält 11.912 Grafikbeschleuniger vom Typ AMD Instinct MI250X.

Der künftige LUMI-AI wird Komponenten der nächsten Generation und speziell auf KI ausgelegte Arbeitsabläufe kombinieren. Er ist weder ein einzelner gewöhnlicher Computer noch ein großes Sprachmodell, sondern ein Verbund aus Tausenden von Recheneinheiten, Arbeitsspeicher, Hochgeschwindigkeitsnetzen und Speichersystemen. Auf dieser Infrastruktur lassen sich große KI-Modelle trainieren und betreiben sowie umfangreiche Simulationen durchführen.

Die genaue Anzahl der Grafikbeschleuniger im neuen System ist in den öffentlich zugänglichen Beschaffungsunterlagen noch nicht bestätigt. Zehnfache KI-Kapazität bedeutet daher keineswegs, dass es zehnmal so viele Beschleuniger wie die 11.912 des bisherigen LUMI geben wird.

NEUE AMD-GENERATION UND SYSTEMARCHITEKTUR VON BULL

LUMI-AI basiert auf der flüssigkeitsgekühlten Architektur BullSequana XH3500 von Bull. Die wichtigsten KI-Berechnungen sollen AMD-Instinct-MI430X-Beschleuniger übernehmen. Zum Einsatz kommen außerdem AMD-EPYC-Serverprozessoren der sechsten Generation mit geplanten 256 Rechenkernen.

Grafikbeschleuniger eignen sich besonders für die Vielzahl paralleler mathematischer Operationen, die beim Training großer Sprachmodelle benötigt werden. Serverprozessoren übernehmen zahlreiche Aufgaben der Systemsteuerung, Datenverarbeitung und parallelen Berechnung.

Die Spitzenleistung einzelner Chips reicht jedoch nicht aus, um einen Supercomputer effizient zu machen. Entscheidend ist auch eine schnelle Datenübertragung zwischen Rechenknoten. Nokia ist am Datencenter-Netzwerk beteiligt, IBM liefert eine Speicherlösung auf Basis von IBM Storage Scale. Bulls BXI-Verbindungstechnik verknüpft die Rechenressourcen.

Die Wahl von AMD setzt die bekannte Architektur des aktuellen LUMI fort. Daraus folgt aber nicht, dass AMD bei jeder KI-Aufgabe besser als konkurrierende Hardware wäre. Die tatsächliche Leistung hängt von der jeweiligen Rechenaufgabe, Softwarekompatibilität, Speichergröße und Netzwerklast ab.

WOZU KANN MAN EINEN SOLCHEN KI-SUPERCOMPUTER NUTZEN?

Zu den geplanten Anwendungen von LUMI-AI zählen insbesondere das Training und der Betrieb großer KI-Modelle, die wissenschaftliche Forschung sowie Anwendungen, die mit riesigen Datenmengen arbeiten.

Denkbare Beispiele sind Sprachmodelle für Finnisch und andere europäische Sprachen, die Erforschung von Arzneimitteln und Molekülen, die Optimierung industrieller Prozesse sowie das Training von Robotik- und Computer-Vision-Systemen. Das sind Beispiele für mögliche Anwendungen und keine Liste bereits laufender LUMI-AI-Projekte.

Das System soll als zentrale Rechenplattform der LUMI AI Factory dienen. Die sogenannte KI-Fabrik ist ein Dienstleistungsökosystem, das Rechenkapazität mit Datenressourcen, Schulungen und fachlicher Beratung verbindet. Sie ist keine Fabrik, die physische KI-Produkte herstellt.

KÖNNEN KLEINE FINNISCHE UNTERNEHMEN LUMI-AI NUTZEN?

Ja, das gehört zu den erklärten Zielen. Neben Forschungseinrichtungen sollen auch europäische Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren. Dienste der LUMI AI Factory werden schon vor Fertigstellung des neuen Supercomputers angeboten, derzeit auf dem bestehenden LUMI-System.

Dazu gehören verschiedene Pakete mit Rechenressourcen, Zugang zu Datensätzen und Beratung durch KI-Fachleute. Anspruchsberechtigte KMU und Start-ups können bestimmte Dienstleistungen für Forschung, Entwicklung und Innovation kostenlos erhalten. Die Kapazität ist allerdings begrenzt; ein automatischer Anspruch auf Zugang besteht nicht.

Antragsteller müssen in der Regel das Projektziel, die technische Machbarkeit und die benötigten Ressourcen erläutern. Nach den Bedingungen der LUMI AI Factory sind Einzelpersonen oder informelle temporäre Gruppen normalerweise nicht zur Beantragung unternehmensbezogener Dienste berechtigt. Für Großunternehmen bestehen gesonderte kostenpflichtige oder kooperative Möglichkeiten.

EUROPÄISCHE FINANZIERUNG – SECHS LÄNDER BETEILIGT

Das Budget von 387,8 Millionen Euro deckt Beschaffung, Lieferung, Installation und Wartung ab. EuroHPC JU finanziert die eine Hälfte; die andere tragen die sechs Länder des LUMI-AI-Factory-Konsortiums: Finnland, Tschechien, Dänemark, Estland, Norwegen und Polen.

EuroHPC JU ist Eigentümer des Systems. Die Zuteilung der Rechenkapazität erfolgt über europäische und nationale Programme. Der Zugang finnischer Nutzer bedeutet also nicht, dass Finnland allein über den gesamten Rechner verfügt.

AUS EINER ALTEN PAPIERMASCHINENHALLE WIRD EIN RECHENZENTRUM

Das Rechenzentrum entsteht auf dem Gelände einer ehemaligen Papierfabrik in Renforsin Ranta, Kajaani. CSC teilte im September 2026 mit, dass eine rund 200 Meter lange frühere Papiermaschinenhalle für den neuen Supercomputer und einen separaten Quantencomputer namens LUMI-IQ umgebaut wird. Die Bauarbeiten begannen im Januar 2026.

LUMI-AI soll mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Die bei der Flüssigkeitskühlung entstehende Abwärme soll zurückgewonnen und wie beim bisherigen LUMI in das Fernwärmenetz von Kajaani eingespeist werden.

LUMI-IQ wird eine eigene experimentelle Quantenrechenumgebung sein, die mit LUMI-AI verbunden werden soll. Untersucht wird, ob klassische Simulationen, KI und Quantenalgorithmen sich bei bestimmten Forschungsaufgaben ergänzen können. Das bedeutet nicht, dass Quantencomputer gewöhnliche Grafikbeschleuniger ersetzen.

THE PROMPT ANALYSE: DER WERT DER KI ENTSTEHT DURCH ANWENDUNG, NICHT ALLEIN DURCH HARDWARE

Die wirtschaftliche und technologische Bedeutung von LUMI-AI wird letztlich davon abhängen, wie gut Unternehmen und Forschende die Rechenleistung tatsächlich nutzen können. Ein öffentlich geförderter Supercomputer kann die Hürde für das Training eigener Modelle oder die Verarbeitung von Datensätzen senken, die für gewöhnliche Arbeitsstationen zu groß wären.

Wettbewerbsfähigkeit entsteht aber nicht automatisch mit dem Bau eines Rechenzentrums. Erforderlich sind qualifizierte Fachkräfte, geeignete Daten, erfolgreiche Forschungsprojekte und Unternehmen, die Rechenleistung in funktionierende Produkte und Dienstleistungen umsetzen.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist der tatsächliche Zugang. Programmierschnittstellen, Zuteilungsverfahren, Cybersicherheit, Softwarekompatibilität und fachliche Unterstützung bestimmen, ob neben großen Forschungsgruppen auch kleinere Akteure profitieren.

LUMI-AI ist noch kein fertiggestellter Supercomputer, der bereits Rekorde bricht. Es handelt sich um ein bestelltes und im Bau befindliches System. Sein tatsächlicher Beitrag zu Europas KI-Kompetenz lässt sich erst nach der Inbetriebnahme und anhand praktischer Anwendungen bewerten.

QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

EuroHPC JU, Beschaffungsvertrag, 31.08.2026: https://www.eurohpc-ju.europa.eu/eurohpc-ju-signs-contract-deploy-lumi-ai-supercomputer-2026-08-31_en

CSC, LUMI-AI mit zehnfacher KI-Kapazität, 31.08.2026: https://csc.fi/mediatiedote/lumi-ai-supertietokone-kymmenkertaistaa-tekoalykapasiteetin/

AMD, Hardware für LUMI-AI, 31.08.2026: https://newsroom.amd.com/news/amd-instinct-gpus-epyc-cpus-power-lumi-ai-supercomputer/

CSC, Baufortschritt des Datencenters in Kajaani, 03.09.2026: https://csc.fi/en/news/lumi-ai-factory-data-center-construction-progresses-in-kajaani/

LUMI AI Factory, Preise und Teilnahmebedingungen: https://lumi-ai-factory.eu/pricing-and-eligibility/

Originalquelle: EuroHPC JU / CSC ↗